Umzug: Pferde am Haus – Teil 4 der Ponygeschichten zu Weihnachten

IM JANUAR Gastbeitrag von Martina Meyer

Lest den 1.  Teil der Ponygeschichten im Horsemanship-Blog, den 2. Teil hier im Turnierblog und den 3. Teil im politischen Blog. Brandneu sind TEIL 5 und TEIL 6 findet ihr, wenn ihr nach unten scrollt.

Der Stall reichte für die zwei und Auslauf war auch genug da. Unsere Entscheidung entstand, als Billy wieder einen Reheschub bekam, aufgrund falscher Fütterung. Beim Einzug fragte ich vorher, ob ein Rehepferd, wir wussten nur, dass er Rehe durch zu viel Hafer damals bekam, überhaupt aufgenommen wird. Man sagte uns, es sei kein Problem und man kenne sich ja aus. Pustekuchen… er wurde mit frischer Luzerne gefüttert ohne unsere Erlaubnis. Die Krönung war allerdings, dass man uns nicht informierte. Nein, erst als ich am Wochenende auf dem Hof kam, wurde mir so nebenbei gesagt, dass er wahrscheinlich Rehe hat. Das war unverkennbar. Dafür dass dies sogar ein Hof mit FN Siegel in Sachen Haltung war, hätte ich sowas nicht erwartet. Im übrigen fragte ich bei der FN, ob die Höfe kontrolliert werden, sobald sie das Siegel erhielten. Ja, alle zwei, drei Jahre. Nun gut, in solch einer Zeit kann echt viel passieren bzw. sich verändern.

Der Dicke war ständig verschrammt von anderen Pferden, es gab eine große Herde und eine kleine. Zudem einzeln gehaltene Pferde. Die große Herde umfasste bestimmt ca. 15 Pferde. Wechselnder Bestand ergaben neue Keilereien.

Alles Gründe, warum ich nie wieder auf solch einen großen Hof wollte.

Zuhause habe ich als Selbstversorger zwar mehr Arbeit, aber ich sehe sie täglich. Das hat unsere Beziehung nochmals enorm verstärkt und es gibt immer wieder lustige Momente sowie schöne. Aber auch welche, in denen man an die Decke springen könnte.

Eines Tages half mir jemand von der Arbeit beim Koppel entmisten. Ich konnte nicht und es gab grad keine Arbeit für ihn. Da er von seinem alten Chef Pferde und diese Arbeit kannte, sah ich kein Problem. Zur Sicherheit sperrten wir die Pferde in dem Stall. So musste der Helfer nicht aufpassen, dass keines entwischt beim rein und rausgehen. Besonders da Billy nicht immer einfach ist, er legte es nie wirklich ab. Nur diese vermeintliche Sicherheit wurde Billys Verhängnis. Ich kam später zum Stall, um die Pferde wieder rauszulassen. Irgendwas stimmte mit Billy nicht, sein Auge sah so komisch aus. Ich schaute mir das genauer und dachte nur: Scheiße. Er verletzte sich am Augapfel. Ich rief sofort unsere Tierärztin an und teilte ihr die Notlage mit. Keine fünf Minuten später war sie da. Sie hat zum Glück ihre Praxis um die Ecke und wohnt dort auch. Sofort begann sie mit der Untersuchung sowie Behandlung. Pferd ruhig stellen klappte dann auch mal, er brauchte doppelte Dröhnung. Er schlitzte sich den Augapfel auf, woran wissen wir bis heute nicht, suchten Tage danach noch den Stall ab.

Das Auge wurde, sowie als Schutz die Augenlider genäht. Täglich musste er Schmerzmittel zu sich nehmen und eine Augensalbe bekommen. Die Augensalbe war das Schlimmste, er wehrte sich krampfhaft. Ich merkte nach kurzer Zeit, dass er erblindete. Er lief nicht mehr gerade in den Stall, sondern mit einer Kurve. Sein Augenlicht war für immer verloren. Diesen Prozess mit zu erleben, empfand ich als ganz schlimm. Billy wurde vorsichtiger und sah auch sonst nicht sehr gesund aus. Stumpfes Fell und abgemagert. Die Behandlung verlief nicht wie geplant und ich rief meine Tierärztin an. Das Auge schien anzufangen zu eitern. Sie kam dann auch recht schnell zu uns und bestätigte meine Vermutung. Sofort machte sie telefonisch alles mit der Pferdeklinik klar und wir fuhren am selben Tag, nach Abklingen der Sedierung von der Untersuchung. Das Auge musste entfernt werden.

Ca. 100 km Fahrtweg bis zur Klinik und die große Angst vor der OP. Wir hatten vorher noch mit unserer Ärztin über das Entfernen des Auges gesprochen und sie sagte, man kann ein Implantat einsetzen, somit ist die Augenhöhle nicht frei sichtbar und die Augenlider werden zusammen genäht.

In der Klinik erwartete man uns schon, Pony in Stall gestellt und dann ging es zur Besprechung. OP Termin am nächsten Vormittag. Uns wurde alles super erklärt über den Ablauf und wie das mit dem Implantat abläuft. Wir empfanden es als schöner für ihn, diese leere Augenhöhle sollte ihm erspart bleiben, der olle Stinkstiefel gehörte zur Familie und soll nicht blöd von anderen angeschaut werden.

Am nächsten Tag nervte ich ständig per Telefon meinen Freund, ob die Klinik denn nu schon angerufen hat. Nein, natürlich nicht. Es fühlte sich unendlich an, bis ich den Anruf bekam, er hat alles gut überstanden und war wohl auf. Gott sei Dank. Der Dicke war nämlich auch schon von der Einsamkeit geplagt. Meine Nachbarn fragten schon, wo das andere Pony ist. Als ich den blöden Unfall mit anschließendem Klinikaufenthalt erklärte, bekam ich nur Unverständnis zu spüren. Immerhin hätten wir uns für das Geld locker ein, zwei neue Ponies kaufen können. Ja klar, ist es nicht wenig Geld, aber Billy ist ein Teil der Familie. Ich fragte meine Nachbarn nur, ob sie ihre Familienmitglieder erschießen lassen, wenn die sich mal was gebrochen haben.. und ich meinte menschliche Familienmitglieder. Ein Pferd ist leider für manche einfach nur ein Reitgegenstand. Warum zum Geier hätten wir ihn in die ewigen Jagdgründe schicken sollen? Nur weil ihm ein Auge fehlt? Tiere gehen mit Behinderungen meist viel besser um als Menschen. Es fehlt ihm nur das Auge, er ist voll lebensfähig. Zumal haben wir uns nicht so sehr bemüht, um ihn am Ende doch selber zum Schlachter zu karren und vor seiner einstigen zukünftigen Besitzerin zu bewahren. Nee, nicht mit uns und wenn wir das letzte Hemd geben.

Die Klinik machte übrigens drei Kreuze, als wir Billy abholten und halfen selbstverständlich ohne große Nachfrage beim Verladen. Er ist halt kein Everybodys Darling. Meine Tierärztin musste nur drüber lachen, sie kannte den Zausel ja.

Ich muss echt sagen, er hat sich sehr gut mit der einseitigen Blindheit abgefunden. Der Stall wurde nicht mehr in einem großen Bogen betreten. Wenn man auf die blinde Seite schnappt, dann nur vorsichtig. Könnt ja noch ein Mensch da stehen.

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